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Heute politisch …

Veröffentlicht: 26. Mai 2019 in Kolumnen

Manchmal fühle ich in mir so einen Drang, mich politisch zu äußern. Meistens lass ich’s dann eh, aber heute drängt’s mich besonders. Ich möchte nämlich dem Herrn Bundeskanzler Kurz schreiben. Solange er noch Bundeskanzler ist.

Aber es fängt ja schon bei der Anrede an. Weil, „sehr geehrter Herr Bundeskanzler“, das möchte ich nicht schreiben. Natürlich weiß ich, dass sich das gehört, und ich tu’s auch gerne, wenn ich mit mehr oder weniger Bekannten gepflegt Informationen auszutauschen gedenke. Oder wenn ich jemanden wirklich sehr ehre. Da fließt mir das „Sehr geehrte Damen und Herren“ wie selbstverständlich über die Lippen. Aber hier geht’s um Forderungen und Beschwerden, und schließlich ist ja der Bundeskanzler ohnehin nur eine Art Knecht von uns Wählerinnen und Wählern.

„Knecht Kurz“ klingt mir aber dann doch zu unhöflich, und so habe ich mich für „Junger Herr“ entschieden. Das ist höflich und zutreffend, weil er ja jung ist, und den Herrn lässt er auch gern einmal heraushängen. Passt also.

„Junger Herr“ würde ich dann also schreiben, wenn ich denn schriebe, „es warat wegen dem Nichtraucherschutz“. Natürlich weiß ich, dass es heißen müsste „es wäre wegen des Nichtraucherschutzes“, aber ich glaube, der junge Herr goutiert es, wenn einer aus dem Volk mit ihm redet, dass der dann auch ein bissl volkstümlich reden tut.

Ich würde also schreiben, dass der junge Herr ja mehrfach betont hat, dass das Rauchverbot in Lokalen nur deswegen gekippt worden ist, weil mit der FPÖ – wahrscheinlich wegen dem dauerpoflerten Haazee – sonst keine Koalition gelungen wäre. Er hat halt die Krot schlucken müssen, der junge Herr. Wie so vieles andere. Was junge Menschen oft schon erdulden müssen … aber zurück zum Thema: Jetzt könnte man ja flott im freien Spiel der Kräfte das Rauchverbot wieder beschließen. Die Ärztekammer hat eh schon beim jungen Herrn angeklopft.

Das Problem ist halt, dass mein Brieferl spätestens im Vorzimmer vom Bundeskanzler hängen bleiben würde. Da sitzt wahrscheinlich so ein Wesen aus seiner Buberl- und Mäderlpartie, das sich schon weiß Gott was darauf einbildet, dass es seinen Rollsessel mit Lederbezug auf dem knarzenden Parkett des Bundeskanzleramts herumschieben darf. Apropos Rollsessel … an meinem Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst steht mir nur ein dünn gepolsterter Holzstuhl zur Verfügung … und weil ich halt auch schon über 60 bin, zwickt es gewaltig in den Schultern und im Nacken, wenn ich auf besagtem Holzstuhl meiner Arbeit nachzugehen gezwungen werde … aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Brieferl an einen anderen Adressaten.

Und dieses Vorzimmerwesen in seinem gut gepolsterten sowie ergonomisch geformten Sitzmöbel würde mein Brieferl mit drei Seiten wohlerzogenem Geschwurbel beantworten, aus dem man die Nanopartikel einer Antwort erst mühsam herausfräsen müsste. Das will ich mir nicht antun.

Deswegen habe ich mir vorgenommen, dem jungen Herrn zwei Antwortmöglichkeiten zum Ankreuzen vorzugeben.

A Meine Partei, die neue ÖVP, wird im Nationalrat umgehend einen Antrag einbringen, das Nichtraucherschutzgesetz, das eigentlich schon 2018 in Kraft treten sollte, zur neuerlichen Abstimmung vorzulegen.

B Dass fast eine Million Österreicher ein Volksbegehren zum Rauchverbot in der Gastronomie unterschrieben haben, ist mir nach wie vor wurscht, was kümmert mich außerdem mein Gerede darüber, dass das damals schon beschlossene Gesetz ja nur wegen der FPÖ gekippt wurde, jetzt beschließen wir keine Gesetze mehr, vor der Wahl, wegen Staatsräson und überhaupt, und basta.

Ein bissl komisch ist da nur, dass die Mailadresse des Bundeskanzlers einfach nur bundeskanzler@bka.gv.at lautet. Und wenn dann am Montag … da könnte ja schon eine ganz andere sitzen. Oder ein ganz anderer. Aber ich glaub, wenn ich tatsächlich „Junger Herr“ schreibe, wird’s schon passen. Jetzt hab ich’s tatsächlich weggeschickt. Womöglich wird man mich jetzt wegen Unbotmäßigkeit scharf maßregeln … ich schreib euch dann wieder …