Siegfrieds Fragebogen – Teil 3

Veröffentlicht: 22. Februar 2021 in 2 News

Wie Ihnen sicherlich auffallen wird, beantwortrt Siegfried die Fragen etwas ausufernd. Obwohl er sich mit manchen davon recht schwer tut, weil sie eigentlich für Erwachsene gedacht sind. Da aber Siegfried mit seiner etwas überschießenden Phantasie einen Hang zum Schwafeln hat, redet er sich eigentlich meist ganz gut heraus.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Im Advent ist die Serie „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ im Fernsehen gelaufen. Ich kenne die Geschichte ja schon vom Buch. Da gibt es einen schwarzen Sklaven, Jim, der mit Huck Finn flieht. Er hat ständig Angst, dass er wieder eingefangen wird. Und da gibt es sicher geschichtliche Gestalten, die schuld daran sind, dass Jim ein Sklave war. Zum Beispiel den Präsidenten der USA. Und den verachte ich dann natürlich, weil er so was zugelassen hat.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Das war in einem der tollsten Filme, die ich gesehen habe. Da versucht irgend so ein fieser Beamter die Familie Thoma aus dem Haus zu vertreiben. Und Ludwig schafft es, die ganzen Gendarmen und so weiter wieder zu vertreiben, mit Knallerbsén und Rauchbomben, und so. Das war eine phantastische militärische Leistung.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?

Ab dem nächsten Schuljahr sollen wir alle Schulbücher gratis bekommen. Dann brauchen wir endlich nicht mehr die gebrauchten Bücher von der Ulli Gehbauer kaufen, das ist mir sowieso peinlich. Weil die Gehbauers dann natürlich wissen, dass wir uns keine neuen Bücher leisten können. Aber nach Italien fahren, dass kann sich die Familie Niedermayr leisten, wird dir gehässige Frau Gehbauer dann hinter unserem Rücken tratschen. Und die Monatskarte nach Seeklausen, die ist dann auch gratis. Da braucht der Papa dann nicht mehr jammern, dass es gescheiter gewesen wäre, wenn ich gleich hier in die Kastenkirchener Hauptschule gegangen wäre. Das, finde ich, wird eine tolle Reform.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Vor kurzem habe ich im Fernsehen die Olympischen Spiele gesehen. Ich weiß nicht, warum, aber Opa möchte immer das Geräteturnen sehen. „Das sind Kerle!“, ruft er da immer wieder dazwischen, „Hart wie Grubenstahl und zähl wie Leder“, schreit er. Ich habe keine Ahnung, was er damit meint. Aber, wie die Männer sich an den Ringen hochstemmen und auf dem Reck herumwirbeln, das würde ich auch gerne können. Vor allem, weil es mit meiner eigenen Körperbeherrschung ja nicht allzuweit her ist. Wenn ich an die Ringe muss, dann hänge ich dort wie ein nasser Sack. Der Wolf macht sich dann manchmal den Spaß, mich hochzuziehen, sodass ich mit den Zehen einen halben Meter über dem Boden hänge. Die Panik, abzustürzen, verleiht mir ungeahnte Kräfte, und so dauert es oft bis zu fünf Sekunden, bis meine schweißnassen Hände den Halt verlieren und ich zu Boden stürze. Der Wolf ist unser Turnlehrer.

Wie möchten Sie sterben?

Überhaupt nicht. Bis ich alt bin, hat man Zellaktivatoren erfunden, mit denen man ewig leben kann. Das kann man in den Perry-Rhodan-Heften nachlesen. Ich muss natürlich schauen, dass ich genug Geld verdiene, dass ich mir einen solchen Zellaktivator leisten kann.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Leider gibt es noch viele Dinge, die ich nicht verstehe. Und die man auch nirgends nachschlagen kann. Zum Beispiel, wie man eine Freundin findet und was man dann mit ihr anfängt, wenn man, zum Beispiel so wie ich, kein Geld hat, dass man mit ihr ins Kino oder essen geht. Ich verstehe auch nicht, wie man Latein lernen kann und was man dann damit anfängt. Dem Herbert sein Bruder, der geht nämlich schon in die dritte Klasse und gibt unglaublich damit an, dass er auf Lateinisch erzählen kann, dass ein Bauernhof abgebrannt ist. Wenn ich länger nachdenke, fallen mir so viele Dinge ein, die ich nicht verstehe, dass ich zugeben muss: Meine geistige Verfassung ist verzweifelt!

Ihr Motto?

Ich musste zuerst nachschauen, was „Motto“ heißt. Zuerst habe ich gedacht, es ist sowas Ähnliches wie ein Moped. Das möchte ich natürlich haben, wenn ich 16 bin. Es ist, glaube ich, die Voraussetzung dafür, eine Freundin zu haben.

Dann habe ich nachgeschaut und herausgefunden, dass ein Motto ein Wahlspruch ist. Dann habe ich nachgeschaut, was ein Wahlspruch ist, und das ist Gottseidank auch in unserem Lexikon gestanden. Da hat es geheißen, ein Wahlspruch ist eine prägnante Zusammenfassung der Ziele eines Menschen oder einer Gruppe. Dann wollte ich nachschauen, was „prägnant“ heißt, aber das steht leider nicht im Lexikon. Dann habe ich die Frau Professor Schlierberger gefragt, und die hat gesagt, das heißt einfach kurz. Da habe ich mich dann gefragt, warum dann im Lexikon nicht einfach „kurz“ sondern „prägnant“ steht. Und jetzt soll ich meine Lebensziele kurz zusammenfassen. Vielleicht, dass ich nie Hunger haben muss und bald eine Schreibmaschine bekomme.

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