Siegfrieds Fragebogen – Teil 1

Veröffentlicht: 25. Januar 2021 in 2 News

Ich habe Siegfried Niedermayr, Protagonist meines neuen Romans, gebeten, einen Fragebogen zu beantworten. Ausgewählt habe ich jenen bekannten, den angeblich Marcel Proust als erster ausgefüllt hat. Er scheint zur Jahrhundertwende ein beliebtes Gesellschsftspiel gewesen zu sein. Hier die ersten vierzehn Antworten Siegfrieds:

Wo möchten Sie leben?

Also, in Kastenkirchen, da wird es mir auf die Dauer sicher zu langweilig. Und ich möchte auch nicht ewig in diesem Zimmer mit der unglaublich schrägen Dachschräge wohnen. Am besten in Amerika. Denn dort kann man vielleicht Astronaut werden.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Ein Micky-Maus-Buch, ein neuer Band von Karl May und eine Dose Kekse von der Oma wären schon ein guter Start. Und dass die Mama mich nicht dauernd an die frische Luft schickt.

Welche Fehler entschuldigen sie am ehesten?

Meine eigenen. Ich bin ja noch jung und muss erst lernen. Und gerade beim Kochen und Backen, da passieren Fehler, aus denen man lernen kann. Ich werde sicher nicht noch einmal einen Pizzaboden verkohlen lassen.

Ihre Lieblingsgestalt(en) in der Geschichte?

Ich kenn mich ja in der Geschichte nicht so gut aus, die kommt erst in der zweiten Klasse. Aber ich habe in der Kastenkirchener Bibliothek einmal nachgeschaut, ob es wirklich solche Indianer gegeben hat wie Winnetou. Und da habe ich über Sitting Bull gelesen. Das heißt Sitzender Stier, und er war ein Sioux-Indianer. Der hat mir schon sehr imponiert, er hat sich von den Bleichgesichtern nicht einschüchtern lassen. Und sich nicht einschüchtern lassen, das wäre eine Eigenschaft, die ich mir auch wünsche.

Ihre Lieblingstiere?

Wir haben zwei Katzen, sonst kenne ich nicht viele Tiere. Die mag ich, wenn sie schnurren. Allerdings darf ich sie nicht in mein Zimmer lassen. Und wenn sie dann doch in meinem Bett sind und irgendwo hinmachen, dann muss ich das selber wegputzen. Dann mag ich sie nicht.

Ihre LieblingsheldInnen in der Dichtung?

Winnetou und Old Shatterhand. Ich weiß aber nicht genau, ob das wirklich Dichtung ist, was der Karl schreibt.

Ihr LieblingsmalerIn?

Carl Barks. Ich hab zwar keine Ahnung, wer der ist und wo er wohnt, aber die besten Donald-Duck-Geschichten hat er gezeichnet. Das weiß ich, weil auf dem ersten Bild meistens sein Name steht.

Ihr LieblingskomponistIn?

Ich hab heuer im Sommer einmal ins Kino gehen dürfen. Das hat lang gedauert, bis ich meine Eltern so weit gehabt habe. Wir haben „Zum Teufel mit der Penne“ gesehen. Penne, das ist eine Schule. Und in diesem Film hat Heintje gesungen, „Ich bau dir ein Schloss“. Das ist meine Lieblingsmusik.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Was mich am meisten stört, ist, wenn Opa dauernd schimpft und wenn Papa zu viel Bier trinkt. Deswegen finde ich am besten, wenn Männer den Mund halten und Wasser trinken.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Sie sollte so sein wie Oma. Die kocht mir immer was Gutes und backt die besten Kekse der Welt.

Ihre Lieblingstugend(en)?

Ich hab erst im Lexikon nachschauen müssen, was eine Tugend ist. Da hab ich herausgefunden, dass es sieben Tugenden gibt, und auf der anderen Seite sieben Todsünden. Die Demut kommt für mich nicht in Frage, denn demütig werde ich nie Astronaut. Mildtätigkeit geht nicht, weil ich nichts habe. Die Keuschheit lasse ich lieber auch beiseite, wenn ich an das angenehme Gefühl denke, das der winzige Busen der Ulli Gehbauer hervorruft. Die Mäßigung kommt auch nicht in Frage, weil ich immer so einen Hunger habe. Und Fleiß würde ja heißen, dass ich immer kommen muss, wenn Mama schreit und ich was tun soll. Bleiben noch Geduld und Wohlwollen – das passt, denn warten kann ich perfekt, und Wohlwollen braucht man bei einer Familie wie meiner zum Überleben.

Ihre Lieblingsbeschäftigung(en)?

Essen, Lesen, im Bett liegen, Backen und Kochen.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ich kann ja noch alles werden, oder? Wie schon gesagt, Astronaut wäre super. Aber wahrscheinlich können eh bald alle zum Mond fliegen, mit einem Mondbus, so wie wir nach Italien gefahren sind. Nur dass es halt auf dem Mond nur Sand und Felsen gibt, und kein Meer. Sonst wäre ich gerne Schriftsteller. Ich habe ja auch schon angefangen, ein Buch zu schreiben. Aber es ist immer voll schwer, wie es nach dem ersten Satz weitergeht!

Ihr Hauptcharakterzug?

Bei den Tugenden stehen auch die Todsünden. Ich hab vorher gar nicht gewusst, dass Faulheit eine Todsünde ist. Aber ich fürchte, ich muss das ab jetzt beichten. Ich bin der Faulheit völlig verfallen. Sagen auch meine Eltern. Lesen zählt nicht als Tätigkeit, leider.

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